Hermann Hesse, kurz zitiert …

“Ein Baum spricht: In mir ist ein Kern, ein Funke, ein Gedanke verborgen, ich bin Leben vom ewigen Leben. Einmalig ist der Versuch und Wurf, den die ewige Mutter mit mir gewagt hat, einmalig ist meine Gestalt und das Geäder meiner Haut, einmalig das kleinste Blätterspiel meines Wipfels und die kleinste Narbe meiner Rinde. Mein Amt ist, im ausgeprägten Einmaligen das Ewige zu gestalten und zu zeigen.

Ein Baum spricht: Meine Kraft ist das Vertrauen. Ich weiß nichts von meinen Vätern, ich weiß nichts von den tausend Kindern, die in jedem Jahr aus mir entstehen. Ich lebe das Geheimnis meines Samens zu Ende, nichts anderes ist meine Sorge. Ich vertraue, daß Gott in mir ist. Ich vertraue, daß meine Aufgabe heilig ist. Aus diesem Vertrauen lebe ich.”

Hermann Hesse

 

Photographie / Stefan Kälberer

Initiation vs. Imitation

“Die Welt besitzt Vollkommenheiten, weil sie das Abbild der Göttlichen Welt ist.

Und die Welt besitzt Unvollkommenheiten, weil sie nur das Abbild der Göttlichen Welt ist.”

Blaise Pascal

 

 

Im Altertum

bedeutete Initiation die Zulassung zu den Mysterien, die Einführung in die Weisheit “nicht von dieser Welt”. Initiation stand und steht für die Chance des Aufstiegs in einen neuen, man könnte auch sagen zurück in einen vor Urzeiten verlorenen, persönlichen Seinszustand. Es ist gleichsam der Erhalt des Schlüssels zur Tür des wahren Lebens. Und dieser Schlüssel kann dem suchenden Menschen den Zugang zum Weg heraus aus der Unvollkommenheit, hin zur Vollkommenheit öffnen.

Diese unsere Welt

ist entstanden durch und aus der Selbstbehauptung und daher ist sie selbst wiederum selbstbehauptend. Sie wird üblicherweise für das einzig Reale gehalten, ist aber in Wirklichkeit nur eine Imitation der absoluten, der göttlichen Realität. Um ihr Scheinleben zu behaupten, müssen die Geschöpfe dieser unserer Welt so bleiben wie sie sind. Daher müssen sie die Imitation der Initiation vorziehen, die Finsternis mehr lieben als das erleuchtende, weil entlarvende Licht. So leben wir in einer Scheinwelt, die der wirklichen Welt nur ähnlich ist. Kurzum: wir leben in einem Plagiat und lieben es oftmals auch noch.

“… die spärlichen Worte des weisen Mannes, das Alleinsein mit dem Meister zu außerordentlicher Stunde, dies alles wurde von Knecht als eine Feier und ein Mysterium erlebt und aufbewahrt, als Feier der Initiation, als seine Aufnahme in einen Bund und Kult, in ein dienendes, aber ehrenvolles Verhältnis zum Unnennbaren, zum Weltgeheimnis.”

Hermann Hesse, Der Regenmacher

 

Diese Annäherung nun

an das Weltgeheimnis bedeutet den Übergang von der Imitation zur Initiation. Sie führt, wenn es gut ist, zum Original, also weg von der Fälschung. Diese Annäherung führt weg vom beschränkten Ich-Bewußtsein, hin zum All-Bewußtsein, ja, wenn es wirklich gut ist: von der ALLEIN-HEIT zur ALL-EINHEIT! Und so wird das Wenigerwerden der Ich-Persönlichkeit nicht mehr, wie in dieser Welt üblich, als Torheit, als Gipfel der Dummheit angesehen, sondern als Aufgang in das wahre Leben verstanden.

So zeugen unsere Gedanken

und noch viel mehr unsere Worte vom Orte unseres Daseins, von unserem Wissensstand. Klar zeigen sie, ob wir noch in der Finsternis der Imitation herum irren oder ob wir bereits den Ausgang und damit den Aufgang hinein ins Licht gefunden haben. Klar zeigen sie, ob wir nur irdisches Wissen, meist mit dem Kopf, angesammelt haben oder ob wir in unserem Herzen bereits göttliches Wissen vorfinden. Dieses lässt sich der Welt draußen nicht beweisen, aber es ist stark und unabweisbar für den, der es tief in sich verankert weiß.

“Das Denken erst, dann Wort und Tat,

Im Denken ruht des Schicksals Saat!

Wer leicht gesinnt die Worte kürt,

Wer leicht gesinnt das Werk vollführt,

Dem folgen Leiden, die er schuf,

Gleichwie das Rad des Zugtiers Huf!

 

Das Denken erst, dann Wort und Tat,

Im Denken ruht des Schicksals Saat!

Wer wohl gesinnt die Worte kürt,

Wer wohl gesinnt das Werk vollführt,

Dem folgen Glück und Freuden reich,

Wie einem treuen Schatten gleich!”

Gautama Buddha

 

Um das eigene Denken

und die eigenen Worte aber kontrollieren zu können, bedarf es eines Wissens, das nur durch Initiation, nicht durch irdische Information aus der Welt der Imitation, erlangt werden kann. Es bedarf des Wissens von der Existenz zweier Welten, von zwei Naturordnungen: Der Welt der Unvollkommenheit und der Welt der Vollkommenheit, der Welt der ALLEIN-HEIT und der Welt der ALL-EINHEIT. Wer die Zeichen der Natur zu lesen vermag, wird sich wie die Raupe eines Tages selbst am sattesten Grün dieser Welt satt gefressen haben und sich zurück ziehen, um sich der alten Form nach vollständig aufzulösen. Verschwunden für die Augen dieser Welt, übergibt sie sich voller Vertrauen einem mysteriösen Prozess der scheinbar völligen Selbstauflösung, um am Ende aber als geflügeltes Wesen in ein neues Lebensreich, “nicht von dieser Welt”, aufzusteigen.

 

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

 

Bildgalerie: Die Kette #01

Seit Jahren

lag diese siebengliedrige Holzkette in einer Schublade meines Schreibtisches. Erinnerung an eine Zeit, in der ich noch nicht glaubte, für das Schnitzen keine Zeit zu haben. Nun ist sie mir wieder in die Hände geraten und kurz darauf in meine Fototasche gewandert. Glücklicherweise bin ich noch nicht dem Wahn verfallen, keine Zeit für das Fotografieren zu haben. Denn bei kaum einer anderen Beschäftigung gelingt es mir so gut, alles um mich herum zu vergessen, nicht zuletzt die scheinbar immer rarer werdende Zeit.

Eine Kette als Sinnbild der Gebundenheit und Gefangenschaft.  Entstanden aus einem einst lebendigen Teil eines großartigen Wesens, aus dem Körper eines mächtigen Baumes, der seine Gliedmaßen wie Flügel weit in den Himmel zu heben wusste. Dann starb dieses großartige Wesen, alles Leben wich aus ihm, es wurde eine Kette daraus. Geschnitzt, erschaffen von Menschenhand. Und ist es mit unseren irdischen Fesseln nicht genauso? Sind nicht auch sie aus etwas einst lebendigem, großartigem entstanden? Geformt zwar durch das Schaffen kreativer Hände, aber nichtsdestotrotz zu Fesseln geworden, die doch einst Flügel hätten werden können?

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

Leben in der Matrix

Gastbeitrag von Rolf Donisch

Allzu oft vermuten und suchen wir die Botschaften der universellen Weisheit ausschließlich in Alten Schriften und Überlieferungen. Und allzu oft erscheinen uns moderne Aussagen, eine höhere Weisheit betreffend, allzu oberflächlich, oft sogar trivial. Aber der Schein kann trügen! Theaterstücke, moderne spirituelle Literatur oder auch Kinofilme sind oft durchdrungen, ja inspiriert von starken Einflüssen universeller Weisheit. Und so können uns die Ketten unserer Gefangenschaft deutlich vor Augen geführt werden. Gemeinsam unterwegs auf dem Pfad des Erkennens, des immer besseren Verstehens der übergeordneten Zusammenhänge, entwickeln immer mehr Sucher individuell und kollektiv ein immer besseres Unterscheidungsvermögen für unser Leben in einer Scheinwelt. Perfektes Beispiel dafür: Der Kultfilm “Matrix”.

 

Im Jahre 1999

kam mit großem Erfolg der Film Matrix in die Kinos. Er handelt davon, dass die Menschheit bewusstseinsmäßig in einer Computersimulation lebt, der Matrix, also in einer Scheinwelt. Tatsächlich aber dienen die Menschen, in unvorstellbar großen Plantagen und in Batterien zusammengeschaltet, den Maschinen einer künstlichen Intelligenz, der Erzeugerin der Matrix, als Energiequellen. Diese künstliche Intelligenz wurde ursprünglich von den Menschen selbst erschaffen. Nur wenigen Menschen ist es gelungen, das Sklavendasein zu erkennen und sich aus der Matrix zu befreien. Die  Menschen, die der Matrix entkommen sind, setzen dann all Ihre Kraft ein, weitere Menschen daraus zu befreien.

Morpheus ist

der Leiter einer solchen Gruppe der Befreier. Er weiß, dass die Agenten, also die Herrscher der Matrix, ihnen überlegen sind. Was ihn sein ganzes Leben motiviert hat, ist der Glaube, dass ein Mensch kommen wird, der die Agenten besiegen und die Matrix zerstören kann, damit die Menschheit wieder in der Realität leben kann. In Neo, dem “Neuen“, glaubt er diesen Auserwählten gefunden zu haben. Nachdem er Neo befreit hat, erklärt er ihm was die Matrix ist.

Morpheus:

Ich will dir sagen warum du hier bist. Weil du etwas weißt. Du kannst es nicht erklären. Aber du fühlst es. Du hast ein Leben lang gefühlt, dass mit der Welt  etwas nicht stimmt. Du spürst es. Wie einen Splitter in deinem Kopf der dich verrückt macht. Dieses Gefühl hat dich zu mir geführt. Weißt du wovon ich spreche?

Neo:

Von der Matrix?

Morpheus:     

Möchtest du wissen, was sie ist? Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Selbst hier in diesem Zimmer. Wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Du spürst sie, wenn du zur Arbeit gehst oder in die Kirche. Und wenn du deine Steuern zahlst. Es ist eine Scheinwelt die man dir vorgaukelt um von der Wahrheit abzulenken.

Neo:   

Welche Wahrheit?

Morpheus:     

Dass du ein Sklave bist. Wie alle bist du in die Sklaverei geboren, in ein Gefängnis, das du weder riechen, schmecken noch anfassen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.

 

Hier erkennt man

die Parallelen zur Universellen Lehre. Die Rosenkreuzer sprechen von der Dialektik anstatt von der Matrix. Der Mensch ist ein Schöpfer, nicht nur im materiellen Sinn, sondern auch spirituell. Dadurch, dass er sich durch sein egozentrisches Verhalten vom ursprünglichen Schöpfungsplan entfernte, erschuf er durch sein auf sich selbst bezogenes Denken, Wollen, Fühlen und Handeln große Kraftformationen, die in der Universellen Lehre Äonen und Archonten genannt werden. Diese sind umso größer und mächtiger, je mehr Menschen sich diesem Verhalten anschließen.

Die Archonten und Äonen

benötigen diese egozentrischen Kräfte, um Ihre Existenz aufrechtzuerhalten. Also muss der Mensch verdummt und versklavt werden, damit er nicht aus seinem Schlafzustand erwacht und seine Lebensenergie von den Äonen ungehindert  benutzt werden kann. In unserem System ist jedoch immer noch das ursprüngliche Prinzip vorhanden, in dem der Plan unserer geistigen Wesenheit aufgezeichnet ist. Dieses ermöglicht uns, das geistige Bewusstsein wieder zu erlangen, das die Wahrheit und Wirklichkeit erkennen kann.

Sind wir bereit, der Stimme dieses Prinzips zu folgen, dann wird uns unser verbliebenes Potential aus der ursprünglichen Ordnung in Verbindung mit der universellen Schöpferkraft helfen, das egozentrische Denken, Wollen, Fühlen und Handeln mehr und mehr los zu lassen, um einem Denken, Wollen, Fühlen und Handeln Platz zu machen, welches sich in den Dienst der Menschheit und der gesamten Schöpfung stellt.

Es geht also darum, ein vollkommen neuer Mensch, ein „Neo“ zu werden. „Morpheus“ mit der Gruppe der Befreiten wartet nur darauf, uns dabei zu helfen.

Text: Rolf Donisch / Photographie: Stefan Kälberer

Wenn Kohlen Diamanten werden

“Der Weg, du wirst ihm folgen.

Das Glück, du wirst es vergessen.

Der Kelch, du wirst ihn leeren.

Der Schmerz, du wirst ihn verbergen.

Die Antwort, du wirst sie lernen.

Das Ende, du wirst es ertragen.

Keinen Ausweg findend, machte die Hitze Kohlen zu Diamanten.”

Dag Hammarskjöld

 

 

Wenn Kohlen Diamanten werden

dann ist das ein tiefes Sinnbild für den suchenden Menschen. Es ist die bildhafte Darstellung, die großartige Vorstellung des Wunders einer jederzeit möglichen Transformation: Etwas banales, alltägliches, wenig geschätztes kann – ohne dass der Vorgang von uns Menschen beobachtet werden könnte – zum wertvollsten werden, was die Erde hervorzubringen in der Lage ist.  Eine schmutzige, bröckelige, rußende Substanz wird in einen edlen, reinen und beständigen Zustand überführt. Ein Wunder? Ein Wunder!

Als Sinnbild

alles Irdischen betrachtet, hält uns die Kohle so etwas wie einen Spiegel vor. Sie ist in ihrem natürlichen Zustand undurchschaubar, ohne großen inneren Halt, zerbröckelt schon bei geringem Druck und verbirgt ihr Wesen für Blicke von außen. Sie ist ein Überbleibsel längst vergangenen, längst erloschenen Lebens und zeigt die Signatur des Ergreifens und Festhaltens. Zwar bietet auch sie die Möglichkeit, das einst Empfangene wieder in Licht und Wärme zu verwandeln, zeigt also ein Resultat von Läuterung. Doch durch die über lange Zeitspannen hinweg eingelagerten Unreinheiten aber ist ihr Licht ein rußendes, ihre Wärme von kurzer Dauer. Zurück bleibt etwas Asche, die der Wind schnell verweht.

Ganz anders zeigt sich

der Diamant! Seit altersher begehrt und hoch geschätzt, steht er für das Reine, Erhabene und Selbstlose. Seine Klarheit bringt uns die Freude der Durchlässigkeit, des bedingungslosen Weiterschenkens zu Bewusstsein. Der Diamant zeigt uns sein Innerstes, sodass – falls noch vorhanden – selbst noch die kleinsten Unreinheiten klar und deutlich vor dem Auge des Betrachters stehen. Das Licht empfängt er, lässt es durch sich durch und schenkt es sofort weiter. Zudem hat er die Gabe, die Einheit, das strahlend weiße Licht, in seine sieben Aspekte zu zerlegen. So hilft er uns, das absolute, das erhabene Licht in seinen unterschiedlichen Wirksamkeiten zu erkennen, zu verstehen. Er ist außergewöhnlich  hart und dauerhaft, vielleicht gerade weil er alles Empfangene sofort wieder frei gibt.

Kohlen und Diamanten,

beide bestehen sie zu einem großen Teil aus Kohlenstoff! Aber welch ein Unterschied!! Was für eine tiefgründige Offenbarung. Über unvorstellbar lange Zeiten hinweg im Erdinneren eingeschlossen,  verborgen in tiefster Finsternis wird der Diamant empor gedrängt an die Oberfläche, hinaus in seine wahre Heimat, ins Licht. Steckt darin nicht die frohe Botschaft aller Zeiten: Der Weg aus Finsternis und Gefangenschaft zurück ins Licht und in die wahre Freiheit ist möglich!

Und verwandelt sich

nicht auch ein kleiner, schwarzer, im Staub der Materie kauernder Vogel in den alten Legenden in den mächtigen Feuervogel Phönix? Und steigt dieser mit seinen neuen, kraftvollen Schwingen nicht steil auf in den Himmel, ins Licht, in seine wahre Heimat? Folgen wir diesem Weg, leeren wir den Kelch und ertragen wir das Ende, das in Wahrheit ein erhabener Neubeginn ist.

Photographie / Stefan Kälberer

Vom Glauben

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“

Paulus, Hebräer 11, Vers 1

 

Wie oft ist doch

unsere eigene Zuversicht noch weit entfernt von der unerschütterlichen Gewissheit eines Paulus. Wie kommt das? Wo wurzelt wahrer, unerschütterlicher Glaube? Sicher nicht im großen Akrobaten und Seiltänzer, dem menschlichen Verstand! Sicher auch nicht im von sentimentalen Gefühlen umspülten und darin gefangenen menschlichen Herzen. Gibt es wirklich einen Nährboden für solch einen unerschütterlichen Glauben?

Ja, diesen Nährboden gibt es! Es ist der göttliche Lichtfunke in unserem Innersten, in unserem Herzen. Er will uns nähren mit Kräften aus einer anderen, geistigen und ewigen Wirklichkeit. Mit Hilfe dieser Gaben erwacht der wahre Glaube, dann erlangen wir ein tiefes Wissen von dieser anderen Ebene des Seins.

Ein großer indischer Weiser formulierte einige Jahrhunderte nach Paulus folgenden, im Kern absolut identischen Satz:

„Der Glaube ist die Substanz der erhofften Dinge und das Zeugnis der unsichtbaren Dinge“.

 Patanjali

 

So kann

also aus dem wahren Glauben, als einer absolut realen Substanz, etwas völlig Neues, etwas vom Menschen Erhofftes, von ihm Erdachtes und Ersehntes erwachsen. Und das, was aus solch einem Glauben erwächst, wird dann zeugen von dem vom Menschen Erhofften, von ihm Erdachten und Ersehnten. Genau so, wie ein Baum in seiner ganzen Majestät vom unsichtbaren Plan im Samen und der Fülle des Mutterbodens, der Substanz in und aus der er wächst, zeugt.

Vielleicht nähern wir

uns dem Kern des wahren Glaubens am besten, wenn wir uns kurz mit der Person befassen, in der der Glaube ja wurzeln und wachsen soll. Das Wort „Person“ stammt vom lateinischen personare ab. Und personare bedeutet so viel wie durchtönen, widerhallen. Es geht also nicht darum, aus sich selbst heraus, getrennt vom großen Ganzen, etwas zu postulieren, etwas zu glauben, etwas zu erschaffen. Sondern es geht vielmehr darum, etwas ungleich Größeres durch sich hindurch strömen, also durchtönen zu lassen und so als Werkzeug für etwas ungleich Größeres zu dienen. Nicht einschränkende Ich-Bezogenheit ermöglicht letztendlich den unerschütterlichen Glauben, sondern grenzenlose All-Bezogenheit.

„Jesus spricht: Der Glaube ist das absolute Wissen um die Allmacht Gottes und des Menschen, ist die sichere Gewissheit, dass die Menschen Göttlichkeit erlangen werden. […] Drei Stufen hat die Leiter. Meinung heißt die erste Stufe. Meinung ist was man für Wahrheit hält. Der Glaube folgt. Im Glauben weiß der Mensch, was Wahrheit ist. Erfüllung ist die letzte Stufe, und das ist der Mensch, zur Wahrheit selbst geworden. Die Meinung geht im Glauben unter, Glaube löst sich auf in der Erfüllung.“

Levi H. Dowling, Das Wassermann Evangelium

 

 

So ist

der Glaube also magisch, mystisch und majestätisch. Magisch weil er Wunder bewirkt, mystisch weil er dem Verstand allein nicht erklärbar ist und majestätisch, weil zum wahren, göttlichen Menschen führend. Und so ist der Glaube letzten Endes der grundlegende Schritt auf dem Wege zur Erfüllung. Er ist das Fundament, auf dem das heilige Bauwerk errichtet werden muss, ein fester Grund, eine unvergängliche Hoffnung für die nach Befreiung verlangende Seele.

Wer dagegen Zweifel nährt, die sich allzu gerne hinter scheinbarer Vernunft verstecken, wird nie daran glauben, dass es zwei Welten gibt und dass ein Wechsel ins göttliche Lebensfeld möglich ist. So sind denn Zweifel, Angst, Sorge und Furcht wie Treibsand, auf dem sich kein dauerhaftes Bauwerk errichten lässt. Erst der wahre Glaube schenkt inneres Wissen und Kräfte, nicht von dieser Welt. Wir alle haben die freie Wahl …

 

Text & Photographie / Stefan Kälberer

Willi Hoffsümmer, kurz zitiert …

Ein junger Mann betrat im Traum einen Laden.

Hinter der Theke stand ein Engel.

Hastig fragte er ihn: „Was verkaufen Sie, mein Herr?“

 

Der Engel antwortete freundlich: „Alles, was Sie wollen.“

Der junge Mann begann aufzuzählen:

 

„Dann hätte ich gerne das Ende aller Kriege,

bessere Bedingungen für die Randgruppen,

Beseitigung der Elendsviertel,

Arbeit für die Arbeitslosen,

Asyl für alle Flüchtlinge … “

 

Da fiel ihm der Engel ins Wort:

„Entschuldigen Sie, junger Mann,

Sie haben mich falsch verstanden.

Wir verkaufen keine Früchte,

wir verkaufen nur den Samen.“

Willi Hoffsümmer

 

Photographie / Stefan Kälberer

Streiflicht #10

“Symbol bedeutet Mittler, Zeichen und zugleich auch Verbindung. Symbol und Symbolisierung setzt das Vorhandensein zweier Welten, zweier Seinsordnungen voraus. […] ein Symbol ist eine Brücke zwischen zwei Welten”

Nikolaj Berdiajew

 

Der Mensch

ist frei, zu tun was er will, zu gehen, wohin er möchte.  Aber wir alle müssen wissen, dass diese Freiheit unter Umständen eine Illusion ist. Hier, auf dieser Welt, lässt sich so manches unter den Teppich kehren, lässt sich an vielem achtlos vorüber gehen. Und so ist auch ein Graffito vielleicht nichts anderes als ein Symbol, ein modernes Symbol. Mauern zerfallen, Vorhänge werden gelüftet und eines Tages kommt all unser hastig versteckter Kehricht wieder ans Licht. So ist es ein wichtiger Schritt auf dem Wege der Selbsterkenntnis, wenn wir beginnen zu verstehen, dass es zwei Welten gibt. Eine Scheinwelt, in der wir bewusst leben, in der sich so manches erfolgreich verstecken lässt und eine absolute, erhabene Welt, an der wir in aller Regel noch nicht bewusst Anteil haben, in der aber alles wieder zum Vorschein kommt und seinen Verursacher mit unbestechlicher Gerechtigkeit einholt.

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

P.D. Ouspensky, kurz zitiert …

“Ich erinnere mich, […] 1916 zwei enorme Lastwagen auf der Litejnij gesehen zu haben, die bis zur Höhe des ersten Stockes der Häuser mit unbemalten, hölzernen Krücken beladen waren.

Diese Lastwagen berührten mich seltsam. In diesen Bergen von Krücken für Beine, die noch nicht verstümmelt waren, sah ich eine besonders zynische Verhöhnung aller Dinge, mit denen die Menschen sich betrügen”

P.D. Ouspensky, Auf der Suche nach dem Wunderbaren

 

Photographie / Stefan Kälberer

Indianische Weisheit, kurz zitiert …

Ein alter Indianer erzählte seinem Enkelsohn von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt.

Er sagte: „Mein Junge, der Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten, die in jedem von uns wohnen.

Einer ist böse. Er ist der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Vorurteile, die Lügen und der eitle Stolz.

Der andere ist gut. Er ist der Friede, die Liebe, die Hoffnung, die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Großzügigkeit, das Mitgefühl und der Glaube.“

Der kleine Indianerjunge dachte einige Zeit über die Geschichte seines Großvaters nach und fragte dann: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt am Ende?“

Der alte Indianer antwortete: „Der, den du fütterst mein Junge.“

Verfasser unbekannt

 

Photographie / Stefan Kälberer