Das Leben ein Mysterium?

„Denn wenn die Seele ihn kennengelernt hat, der sie ins Dasein rief, ist sie von einer unermeßlichen Liebe erfüllt, vergißt alles Böse und kann vom Guten nicht mehr getrennt werden.

Wenn du zu diesem Zustand zurückkehrst, auf die rechte Weise lebst und glückselig stirbst, wird deine Seele sicher wissen, wohin sie ihren Flug richten muß.“

Hermes Trismegistos, Aus einer Rede des Hermes zu Tat

 

Wohl kein Mensch

würde abstreiten, dass unsere Welt unzählige Freuden, viel Miteinander und damit zahlreiche Möglichkeiten bietet, ein mehr oder weniger „gutes“ Leben zu führen. Aber auch kein Mensch würde abstreiten, dass wir  eine Welt der Missstände, der Spannungen, des Konkurrenzkampfes und der Abgrenzungen bewohnen. Kurz, eine Welt in der das Böse immer wieder sein hässliches Gesicht zeigt. Nun geben sich zahllose mit der Antwort zufrieden: „Das war schon immer so, das wird immer so sein, Leben ist Kampf und der bedingt eben auch Verlierer!“.

Es gibt aber

auch Menschen, die an den immer offener zutage tretenden Missständen nahezu verzweifeln und dennoch hoffend fragen: „War es wirklich immer so, muss es wirklich immer so bleiben, sollte Leben nicht vielmehr ein Miteinander sein, mit dem Ziel, jeden zum Gewinner zu machen?“. Letztere werden von ersteren gerne als Träumer belächelt. Und das kann bei all den Rätseln, die uns das Leben so stellt, auch gar nicht anders sein. Denn das Leben ist tatsächlich ein einziges, großes Mysterium, gebildet wiederum von einzelnen, kleineren und größeren Mysterien. Unter diesem Begriff finden wir im Duden folgende Definition: „Ein Mysterium ist ein geheimnisvolles, mit dem Verstand nicht zu ergründendes Geschehen“.

Daher können

Verstandesmenschen, die Realisten – und unsere Erde ist voll davon – alles was außerhalb ihrer sinnlichen Wahrnehmung liegt, nicht annehmen, nicht denken, nicht für wahr erkennen. Die Träumer dagegen verlieren sich nur allzu oft in Utopien einer besseren, gerechteren Welt, ohne aber einen gangbaren Weg dorthin zu kennen.

 

„Während wir mit der Dominanz der rationalen Wissenschaften den allumfassenden Geist der Mysterien morden, schneiden wir uns selbst von der Nabelschnur zum kosmischen Mutterbauch ab.“

Manfred Poisel

 

So bleibt das Leben

für die Rationalisten eine nüchterne Realität, die es zu akzeptieren gilt, und für die Visionäre eine traurige, aber leider auch unergründliche Angelegenheit, die letzten Endes ebenfalls akzeptiert werden muss. Dieser Zustand aber ist für einen suchenden, sehnenden Menschen auf Dauer schlichtweg inakzeptabel!

Daher stellt sich

hier die alles entscheidende Frage: Können die Mysterien des Lebens vom Menschen ergründet werden, gibt es die Möglichkeit sie zu durchdringen, die Schleier Zentimeter um Zentimeter zu lüften? Die Antwort muss ein unbedingtes JA sein, denn was wäre das für ein Vater, der seine Kinder leiden und schier daran zerbrechen sieht, ihnen die Antworten auf die Schwierigkeiten des Lebens aber verweigert. Und was wäre das erst für ein Schöpfer, der seine Geschöpfe mit für sie undurchdringbaren, nicht zu verstehenden Rätseln quält? Daher liegt in jedem Mysterium auch ein Schlüssel verborgen. Aber dieser Schlüssel soll, ja muss in persönlichem Streben errungen werden.

So ist die Welt

seit jeher voller Sehnsucht zu Entdecken, zu ent-decken, zu entschleiern, bislang Unbekanntes, Unverstandenes immer tiefer zu ergründen! Und findet sich dieses Sehnen nicht unter den Realisten wie unter den Utopisten? Und ist der Unterschied letzten Endes nicht einfach nur ein gradueller, reden wir nicht einfach nur von unterschiedlichen Etappen ein und desselben Weges? Dabei bauen die einen auf den Verstand, die ihm zur Verfügung stehenden Sinnesorgane und die durch Forschung zu anerkannten Fakten gewordenen Erkenntnisse. Und die anderen verlassen sich auf ihre innere Wahrnehmung, die Stimme ihres Herzens und berufen sich auf die heiligen Schriften aller Zeiten. So werden wir über kurz oder lang alle am selben Ziel angelangen, umso schneller, je schneller wir zur Synthese aus beiden Herangehensweisen gelangen.

 

„Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch. Aber am Boden des Bechers wartet Gott.“

Manfred Heisenberg

 

Für all die Menschen,

die sich an der Suche im Außen abgemüdet und nun auf einen inneren Weg begeben haben, ist es wichtig zu wissen, dass alles Lebendige einen Kern hat. Sei das nun ein Atom, eine Zelle, eine Frucht, ein Mensch oder gar ein ganzes Universum. Von diesem innewohnenden Kern geht eine Strahlung aus, in deren Folge entsteht Licht, Leben wird möglich.

Daher lesen wir

im Prolog des Johannes-Evangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“  Das schöpferische Wort also ist der Kern, der Keim all dessen was geschaffen ist: „Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“  Aus diesem Kern entwickelt sich dann alles dem ihm innewohnenden Prinzip oder Gesetz gemäß: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“  Ein Mysterium nun ist einfach ein vom Individuum noch nicht entdecktes, zumindest aber noch nicht vollständig verstandenes Kernprinzip. Dieses Kernprinzip möchte, ja muss früher oder später verstanden werden, da es ansonsten zu Disharmonien in der Alloffenbarung kommt.

Früher oder später

wird jeder Mensch seinen ureigenen Kern, den Geistfunken der alten Rosenkreuzer, das Juwel im Lotos der Buddhisten, nicht nur wieder-ent-decken, sondern auch wieder zum Leben erwecken. Der Geistfunken, das letzte göttliche Überbleibsel im Menschen ist deshalb das Kernthema, da er die Ursache allen Lebens ist. Werden vom Menschen ausschließlich die Wirklichkeiten des sinnlich Wahrnehmbaren erwogen, dann bleiben die dahinter verborgenen Gesetze unklar und unverstanden. Die Lehre des Rosenkreuzes beispielsweise erklärt den im Herzen des Menschen verorteten Geistfunken bildhaft als einen Spiegel. Dieser Spiegel ist durch ichzentrales Handeln seit Urzeiten matt und stumpf geworden. Durch ein immer bewusster werdendes Denken, Fühlen und Handeln aber wird dieser Spiegel wieder blank. Und in einem gegebenen Augenblick werden alle Antworten auf die Fragen bezüglich der Mysterien des menschlichen Lebens, ja des gesamten Allgeschehens darin sichtbar.

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

„Die Pflicht, Leid zu erdulden, gibt uns das Recht auf Wissen.“

Jean Rostand

 

Streiflicht #02

… nur so eine Ahnung, nur so ein Bild: Holz verwittert, Holz vergraut, Holz verliert seine Leuchtkraft, wenn es den Elementen ausgesetzt wird. Aber Holz überdauert – sich selbst schützend – lange Zeitspannen. Schleift man die alte, grau und stumpf gewordene Oberfläche ab, dann könnte man glatt meinen, das Licht sei darin nur gefangen gewesen, nicht aber erloschen. Der so lange verloren geglaubte Lichtglanz sorgt plötzlich wieder für ein klares Sehen und Erkennen dessen, was die ganze Zeit da war, aber eben nicht offen-sichtlich!

Könnte, was für Holz gilt, auch für unsere Seelen gelten? Nur so ein Gedanke …

Text & Photographie / Stefan Kälberer

Leben nach dem Tod

Sehr oft

sind Analogien hervorragende Möglichkeiten, für uns nicht sichtbare oder schwer annehmbare Dinge oder Prozesse nachvollziehbar zu vermitteln. So auch die uralte Frage: Geht das Leben nach dem Tod wirklich weiter, oder ist das nur Wunschdenken verängstigter Menschen? Der Anatom Joseph Hyrtl verzichtete bei seinem Analogiebeispiel auf jegliche religiöse oder philosophiosche Argumentation und liefert uns damit einen Gedankengang, der Mut macht und auch Skeptiker zum Nachdenken bringt.

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

“Der Embryo im Mutterleib müßte, sofern er Selbstbewußtsein hätte und im voraus wüßte, was beim Vorgang der Geburt mit ihm geschehen wird, diesen Vorgang zweifellos für seine absolute Vernichtung halten: Die ihn umschließenden Hüllen zerreißen, das Fruchtwasser – sein Lebenselement – fließt fort, die Nabelschnur, die ihn ernährt, wird zertrennt, und überdies hat er […] den erstickenden Sturz durch würgende Enge zu tun. […] kein Zweifel, ein Überleben der Geburt müßte für ihn indiskutabel sein. […] er weiß nicht, daß in ihm andere Organe für ein Leben in einer anderen Welt bereits vorsorglich angelegt sind: Lungen, um Luft zu atmen, Augen, um den Kosmos der Farben und Formen zu schauen, und mehr noch: diese anscheinend hoffnungslose Vernichtung, der Geburtsakt, ist in Wahrheit der Weg ins eigentliche Leben.”

Joseph Hyrtl