Streiflicht #04

Diese Skulptur des britischen Künstlers Carver Harvey steht im Regents Park in London. Als ich sie durch Zufall entdeckte, kam ich kaum mehr los davon. Vielleicht weil sie einen Traum versinnbildlicht, den ich längst vergessen hatte: Mensch und Tier Schulter an Schulter – wann wird es endlich möglich sein?

Bereits als Kind war ich traurig, dass uns die wildlebenden Tiere in aller Regel  fliehen und später, als Erwachsener, verzweifelte ich fast an der Art und Weise, wie auf unserem Planeten mit den sogenannten Nutztieren umgegangen wird. Allein den Worten “Vieh” oder “Nutztier” wohnt eine Kälte inne, die mich erschaudern macht. Vielleicht ist diese Skulptur geeignet, die Antwort zu geben, auf die mir häufig gestellte Frage: Warum bist du eigentlich Vegetarier?

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

“Ein Kind, das früh genug zum Naturfreund wird,

zweifelt von allem Anfang an nicht daran,

daß die Tiere tatsächlich seine Brüder sind.

Konrad Lorenz

Sei fröhlich

Gastbeitrag von Andreas Wesner

 

“Viel leicht:

Vielleicht können wir nichts mehr ändern

und es geht sowieso alles den Bach runter.

Dann macht es keinen Sinn,

sich aufzuregen und traurig zu sein.

Also sei fröhlich!

 

Vielleicht geht doch nicht alles den Bach runter.

Dann wärst Du umsonst traurig gewesen.

Also sei fröhlich!

 

Vielleicht geht nur aus einem einzigen Grund

nicht alles den Bach runter.

Weil Du fröhlich warst!

 

Vielleicht…

Andreas Wesner

PLUS oder MINUS

Wir leben in einer Zeit, die sich Schritt für Schritt immer mehr zuspitzt. Dies gilt auf allen Ebenen und jeder kann dies sehen, der hinschaut. Dies bedeutet, dass sich Licht und Schatten immer deutlicher zeigen. Jeder einzelne muss sich jetzt entscheiden, mit was er sich verbinden will. Stehe ich in Resonanz mit alten Kräften, dann bin ich rückständig, dann leiten mich Ich-bezogene, spaltende Energien. Oder schaffe ich es, mich mit neuen Kräften in Resonanz zu bringen, dann leiten mich liebevolle, verbindende Energien. Finden negative Energien in mir Raum, dann werde ich entweder depressiv oder aggresiv. Trage ich positive Energie in mir, dann strahle ich etwas ganz anderes aus.

Text: Andreas Wesner / Photographie: Stefan Kälberer

 

Bildgalerie: Die Welt als Illusion

Das wichtigste

gleich vorweg: ich bin mir nicht sicher, ob diese Fotoserie “Die Welt als Illusion” irgend einen Bezug zu wirklicher Spiritualität hat. Und ganz ehrlich: es ist mir auch nicht wirklich wichtig. Sicher ist nur, dass diese Fotos – konkreter, diese Fotomontagen – meinem Bedürfnis nach einer harmonischen Welt entsprungen sind. Die Bilder sind entstanden aus einem tiefen inneren Verlangen nach einer Welt der Schönheit und Harmonie, einer Welt, die nicht bereits nach der nächsten Biegung wieder von nüchterner Realität in Form von Industriegebieten, Hochspannungsmasten oder Schnellstraßen zunichte gemacht wird. Im realen Leben durfte ich das auf ausgedehnten Wanderungen durch die ursprüngliche Natur Neuseelands erleben. Tagelange Touren fernab aller Siedlungen, durch intakte, malerische Landschaften “zu-schön-um-wahr-zu-sein” liessen mich vor genau 30 Jahren klar erkennen, wie sehr unsere innere Stimmung von äusseren Verhältnissen geprägt wird.

Und leben wir

nicht alle auf die eine oder andere Art in einer Welt der Illusionen? Warum also nicht auch einmal die Welt der Fotografie, die ja üblicherweise als recht real eingestuft wird, in die Welt der fantastischen Illusionen erweitern? Steckt im Begriff Illusion doch das alte, heute ungebräuchliche Wort illudieren. Es kommt vom lateinischen llludere und meint so viel wie spielen. So treibe ich einfach mal mein Spiel mit der Fotografie, mein Spiel mit schönen Landschaften, die wir ja nicht umsonst gerne auch als Traumlandschaften bezeichnen.

Zum Abschluß

noch ein paar Worte zur Entstehung dieser Bilder: Ausgangsbasis ist immer ein für sich bereits harmonisches Landschaftsbild. Dieses wird dann komplett nach links und anschließend zur Hälfte nach rechts gespiegelt. Zum Abschluß wird dann ein Teil des unteren Bildbereichs nochmals nach unten gespiegelt, so wie sich Landschaften an windstillen Tagen im Wasser eines Sees spiegeln. Fertig ist die Illusion einer heilen Welt.

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

 

“Sobald wir vermögen, diese Welt als Illusion und Trugbild zu betrachten, können wir alles, was uns widerfährt, als Traum betrachten, als etwas, das vorgab zu sein, weil wir schliefen. Dann werden wir scharfsinnig und zutiefst gleichgültig gegen alle Unbill und alles Unglück des Lebens.”

Fernando Pessoa

 

Fremdlingsschaft

 

“Rundherum und in allen Richtungen fuhren kleine schwarze Käfer auf Rädern. Ab und zu stießen sie zusammen und es krachte und splitterte, und drinnen lagen blutende und sterbende Menschen.

“Warum geschieht das alles?”, fragte ich […]

“Warum?”, sagte er. “Das ist doch klar. Wenn zwei zur selben Zeit auf dieselbe Stelle wollen, dann zerschmettern sie sich. Das geht nicht anders.”

“Nicht?”, sagte ich. “Ich dachte, dass -”

“Dass was?”

Ich wollte es nicht sagen. Ich dachte daran, wie wir in der Seligkeit, wenn wir uns auf derselben Stelle begegnen, uns gegenseitig durchdrangen, einen Augenblick wir selbst und zugleich der andere waren, um dadurch bereichert weiterzugehen: wir wurden selbst zu dem, dem wir begegneten und lernten ihn dadurch kennen. Das war unsere Art, auf die wir etwas zu wissen bekamen. Hier starb man also davon. Ich meinte, es sei am besten, vom Leben in der Seligkeit zu schweigen.”

Johannes Anker Larsen, Olsens Torheit

 

Lange Zeit

wusste ich nicht, warum ich mich als Kind und auch später noch oft so fremd fühlte in dieser Welt. Ich wusste nicht, warum ich die so oft, so bestimmt, so laut vorgetragenen Argumente des so-ist-diese-Welt-eben nicht verstehen konnte. Vieles erschien mir völlig unlogisch, nicht nachvollziehbar; obwohl die ganze Welt kraft ihres So-Seins mich vom Gegenteil zu überzeugen versuchte. Ich fühlte mich ziemlich allein auf weiter Flur. So wurde ich zum Einzelgänger, suchte meine Antworten erst im Aussen, in der Naturbeobachtung, dann aber immer mehr in meinem Innern.

Und dann kam ich

im Austausch mit anderen Suchern, zum ersten mal mit einem so noch nie gehörten , noch nie gelesenen Wort in Berührung: dem Wort Urerinnerung. Es löste etwas unbeschreibliches in mir aus: das Gefühl, wieder an meinem kindlichen Unverständnis über das so-ist-diese-Welt-eben anknüpfen zu dürfen, ja anknüpfen zu müssen. Und ich spürte, dass die Zeit für Antworten gekommen ist. Und ich spürte auch, dass es völlig genügt, wenn Antworten in Form von Ahnungen, von tief empfundenen Ahnungen zu uns kommen. Und dann entdeckte ich die Romane des dänischen Philosophen und Schriftstellers Johannes Anker Larsen. Beim Lesen seiner Zeilen höre ich einen Bruder sprechen und beim Betrachten seines Fotos blicke ich in die Augen eines Bruders. Mehr Wärme habe ich selten in Augen wie in Worten gefunden. Danke …

Text & Photographie / Stefan Kälberer

Streiflicht #03

… man nehme eine Wasserschale für die Katze, lasse sie in einer windigen, kalten  Nacht auf der Terrasse stehen und staune über das unerklärliche Wunder. So geschehen vor ein paar Tagen. Mir unerklärlich wie diese eisige Zunge über Nacht entstand,  mir unerklärlich wie die Natur mittels ihrer Gesetze solch Rätsel zu schaffen vermag. Aber ich habe da so eine Ahnung, wie wir solche Wunder nutzen können, um uns dem Unfassbaren zu nähern.

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

 

“Ich hasse die Leute, die für nichts Bewunderung empfinden; ich habe Zeit meines Lebens immer alles bewundert. Das Wunder ist des Augenblicks Geschöpf.”

Johann Wolfgang von Goethe