Licht und Wahrheit

“Ihr müsst nie außer acht lassen, daß alle Lehre, die eurer Erde gegeben werden kann, alle Lehre, die aus dem Entwicklungsgrade der Menschheit in ihr entsteht, durch die tiefe Stufe dieser Welt bedingt, nichts Fertiges enthalten kann – euch keine absolute Wahrheit, sondern nur Anklänge an diese geben kann.”

Berhard Forsboom, Das Buch Emanuel

 

Licht und Wahrheit

stehen in einem tiefen Zusammenhang und sind ein tiefgründiges Beispiel für eine Analogie, die Geistiges anhand Irdischem zu erklären vermag. Denn Licht auf höchster Ebene ist gleichbedeutend mit dem Göttlichen und damit auch gleichbedeutend mit der göttlichen, absoluten Wahrheit. Von unserer irdischen Ebene aus verstanden aber ist Licht einfach das, was unsere Welt erhellt und Wahrheit das, was wir Menschen aufgrund unserer sinnlichen Wahrnehmungen und den daraus gezogenen Rückschlüssen dafür halten. Aber dies ist letzten Endes noch keine unantastbare Wahrheit, sondern nichts anderes als vorübergehende, sich immer wieder wandelnde Erkenntnis.

Wie sich weißes Licht

im Regenbogen in sieben Aspekte, sprich sieben Farben auffächert, so geschieht dies auch mit der reinen, absoluten Wahrheit hier auf Erden. Das Absolute, das Göttliche wird für uns auf dieser Erde herunter transformiert,  stark gedämpft, damit wir es überhaupt ertragen können. So wie sich das weiße Licht im Himmel des obigen Fotos in der Landschaft in seine verschiedenen Aspekte, in seine verschiedenen Farb- und Helligkeitsgrade ausdifferenziert, so geschieht dies auch mit der uns Menschen geoffenbarten Wahrheit. Und so wie im obigen Bild Nebel die Landschaft durchziehen, so geschieht dies auch in unserem noch limitierten Bewusstsein.

Das Element Feuer entspricht dem Geist, das Element Wasser der Seele. Wenn nun, im Rahmen der Bewusstseinsentwicklung, das ursprüngliche, göttliche Element Feuer beginnt, sich mit dem Element Wasser zu verbinden, dann entsteht in der Verwandlungsphase der Seele Wasserdampf, also Nebel. Dieser mag faszinierend anzuschauen sein, letzten Endes aber trübt er noch unseren Blick auf Welt und Dinge. Denn die Seele vermag erst dann rein und ungetrübt auf den Geist zu reagieren, wenn sie sich vollständig von der irdischen Ausrichtung hin zum göttlichen Plan gewandt hat. Dann erst ist die Naturseele wahrhaft zur Geistseele geworden.

Das Zauberwort

lautet daher Auflösen der Nebelschleier und darauf folgend Synthese der gewonnenen Erkenntnis. Der Mensch ist nicht gerufen, mit anderen über die Teilaspekte des Lichtes, die Teilaspekte der Wahrheit zu streiten. Im Gegenteil: Er soll durch eigenes Nachsinnen und durch spirituellen Austausch mit anderen Suchern die Synthese aus den Differenzierungen herstellen und erkennen, dass allem Geoffenbarten, allen Farben, allen Wahrheitsaspekten letztendlich die Absolute Wahrheit, das große Gemeinsame zugrunde liegt. Und dies ist ein für uns unvorstellbar reines, blendend helles weißes Licht. Nicht umsonst spricht die universelle Weisheit vom Licht der Lichter, um die Wesenheit Gottes anzudeuten.

Geben wir uns diesem Licht vertrauensvoll und mutig hin, so wird es uns Stück für Stück die Wahrheit entschleiern und uns befähigen, ihren Anblick ertragen zu können. Dann kommt irgendwann der Moment, wo alle Nebel gewichen sind und wir die Wahrheit als Ganzes schauen dürfen.

Text & Photographie / Stefan Kälberer