Leben nach dem Tod

Sehr oft

sind Analogien hervorragende Möglichkeiten, für uns nicht sichtbare oder schwer annehmbare Dinge oder Prozesse nachvollziehbar zu vermitteln. So auch die uralte Frage: Geht das Leben nach dem Tod wirklich weiter, oder ist das nur Wunschdenken verängstigter Menschen? Der Anatom Joseph Hyrtl verzichtete bei seinem Analogiebeispiel auf jegliche religiöse oder philosophiosche Argumentation und liefert uns damit einen Gedankengang, der Mut macht und auch Skeptiker zum Nachdenken bringt.

Text & Photographie / Stefan Kälberer

 

“Der Embryo im Mutterleib müßte, sofern er Selbstbewußtsein hätte und im voraus wüßte, was beim Vorgang der Geburt mit ihm geschehen wird, diesen Vorgang zweifellos für seine absolute Vernichtung halten: Die ihn umschließenden Hüllen zerreißen, das Fruchtwasser – sein Lebenselement – fließt fort, die Nabelschnur, die ihn ernährt, wird zertrennt, und überdies hat er […] den erstickenden Sturz durch würgende Enge zu tun. […] kein Zweifel, ein Überleben der Geburt müßte für ihn indiskutabel sein. […] er weiß nicht, daß in ihm andere Organe für ein Leben in einer anderen Welt bereits vorsorglich angelegt sind: Lungen, um Luft zu atmen, Augen, um den Kosmos der Farben und Formen zu schauen, und mehr noch: diese anscheinend hoffnungslose Vernichtung, der Geburtsakt, ist in Wahrheit der Weg ins eigentliche Leben.”

Joseph Hyrtl

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