Angst & Glück

Wie oft sind wir

Menschen unterschiedlicher Meinung, diskutieren, ja streiten über unseren Standpunkt. Und merken gar nicht, dass sich scheinbar unvereinbare Standpunkte meist mühelos vereinigen lassen, wechselt man nur die Betrachtungsebene. Unser zugespitzter Individualismus verhindert leider immer wieder tiefere Erkenntnisse, da es ihm am Interesse für übergeordnete Zusammenhänge mangelt. Die Angst, ein mühsam errungenes Stückchen Glück wieder an einen anderen zu verlieren, ist einfach zu groß. Ein Sucher aber, der sich von seinem ICH-zentrierten, einengenden Weltbild entfernt und das Glück dafür im Gemeinsamen statt im Einsamen sucht, wird zwangsläufig nicht nur sein selbstbehauptendes ICH verlieren, sondern auch so manche Angst.

 

Angst und Glück machen zusammen einen Spaziergang.

Glück fragt Angst: “Was ist die größte Angst eines Menschen?” Angst antwortet: “Dass er sich selbst verlieren könnte, die Grenzen seines Ichs verschwinden und er im Unnennbaren aufgehen könnte.”

Dann fragt Angst vorsichtig zögernd: “Sag mal, was ist das höchste Glück für einen Menschen?” Glück antwortet: “Wenn ein Mensch sich selbst verliert, die Grenzen seines Ichs verschwinden und er im Unnennbaren aufgeht.”

Angst nickt nachdenklich – und lächelnd setzen sie ihren gemeinsamen Spaziergang fort.

Verfasser unbekannt

 

Ist dies nicht

eine wunderbare Geschichte, die uns Goethes Seufzer “… zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust” zu erklären imstande ist? Oder uns die Forderung des Johannes näher bringt: “Ich muss weniger werden, der Andere aber muss wachsen”. Unser ICH hat immer Angst etwas oft so mühsam errungenes wieder preiszugeben. Der ANDERE aber, der Ursprüngliche, der wahre Mensch in uns sehnt sich nach der Freiheit des SELBST-losen Seins, nach der Auflösung aller Egozentrik, sehnt sich danach alles Empfangene wieder mit allen zu teilen und damit nicht zuletzt auch sich selbst zu bereichern.

Text & Photographie / Stefan Kälberer

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