Vom Glauben

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“

Paulus, Hebräer 11, Vers 1

 

Wie oft ist doch

unsere eigene Zuversicht noch weit entfernt von der unerschütterlichen Gewissheit eines Paulus. Wie kommt das? Wo wurzelt wahrer, unerschütterlicher Glaube? Sicher nicht im großen Akrobaten und Seiltänzer, dem menschlichen Verstand! Sicher auch nicht im von sentimentalen Gefühlen umspülten und darin gefangenen menschlichen Herzen. Gibt es wirklich einen Nährboden für solch einen unerschütterlichen Glauben?

Ja, diesen Nährboden gibt es! Es ist der göttliche Lichtfunke in unserem Innersten, in unserem Herzen. Er will uns nähren mit Kräften aus einer anderen, geistigen und ewigen Wirklichkeit. Mit Hilfe dieser Gaben erwacht der wahre Glaube, dann erlangen wir ein tiefes Wissen von dieser anderen Ebene des Seins.

Ein großer indischer Weiser formulierte einige Jahrhunderte nach Paulus folgenden, im Kern absolut identischen Satz:

„Der Glaube ist die Substanz der erhofften Dinge und das Zeugnis der unsichtbaren Dinge“.

 Patanjali

 

So kann

also aus dem wahren Glauben, als einer absolut realen Substanz, etwas völlig Neues, etwas vom Menschen Erhofftes, von ihm Erdachtes und Ersehntes erwachsen. Und das, was aus solch einem Glauben erwächst, wird dann zeugen von dem vom Menschen Erhofften, von ihm Erdachten und Ersehnten. Genau so, wie ein Baum in seiner ganzen Majestät vom unsichtbaren Plan im Samen und der Fülle des Mutterbodens, der Substanz in und aus der er wächst, zeugt.

Vielleicht nähern wir

uns dem Kern des wahren Glaubens am besten, wenn wir uns kurz mit der Person befassen, in der der Glaube ja wurzeln und wachsen soll. Das Wort „Person“ stammt vom lateinischen personare ab. Und personare bedeutet so viel wie durchtönen, widerhallen. Es geht also nicht darum, aus sich selbst heraus, getrennt vom großen Ganzen, etwas zu postulieren, etwas zu glauben, etwas zu erschaffen. Sondern es geht vielmehr darum, etwas ungleich Größeres durch sich hindurch strömen, also durchtönen zu lassen und so als Werkzeug für etwas ungleich Größeres zu dienen. Nicht einschränkende Ich-Bezogenheit ermöglicht letztendlich den unerschütterlichen Glauben, sondern grenzenlose All-Bezogenheit.

„Jesus spricht: Der Glaube ist das absolute Wissen um die Allmacht Gottes und des Menschen, ist die sichere Gewissheit, dass die Menschen Göttlichkeit erlangen werden. […] Drei Stufen hat die Leiter. Meinung heißt die erste Stufe. Meinung ist was man für Wahrheit hält. Der Glaube folgt. Im Glauben weiß der Mensch, was Wahrheit ist. Erfüllung ist die letzte Stufe, und das ist der Mensch, zur Wahrheit selbst geworden. Die Meinung geht im Glauben unter, Glaube löst sich auf in der Erfüllung.“

Levi H. Dowling, Das Wassermann Evangelium

 

 

So ist

der Glaube also magisch, mystisch und majestätisch. Magisch weil er Wunder bewirkt, mystisch weil er dem Verstand allein nicht erklärbar ist und majestätisch, weil zum wahren, göttlichen Menschen führend. Und so ist der Glaube letzten Endes der grundlegende Schritt auf dem Wege zur Erfüllung. Er ist das Fundament, auf dem das heilige Bauwerk errichtet werden muss, ein fester Grund, eine unvergängliche Hoffnung für die nach Befreiung verlangende Seele.

Wer dagegen Zweifel nährt, die sich allzu gerne hinter scheinbarer Vernunft verstecken, wird nie daran glauben, dass es zwei Welten gibt und dass ein Wechsel ins göttliche Lebensfeld möglich ist. So sind denn Zweifel, Angst, Sorge und Furcht wie Treibsand, auf dem sich kein dauerhaftes Bauwerk errichten lässt. Erst der wahre Glaube schenkt inneres Wissen und Kräfte, nicht von dieser Welt. Wir alle haben die freie Wahl …

 

Text & Photographie / Stefan Kälberer

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