wie es dazu kam

“Wenn ihr eure Augen nicht braucht um zu sehen, werdet ihr sie brauchen um zu weinen.”

Jean-Paul Sartre

 

Lange sah ich mein Leben

als einen Wald voll gesunder, in den Himmel wachsender Ausrufezeichen. Ideale, Visionen und Tatendrang waren der Treibstoff meines Lebens. Freunde wissen ein Lied davon zu singen. Wer meine Vorstellungen, es waren die eines überzeugten Weltverbesserers, nicht teilte, wurde bestenfalls ignoriert, meist aber zielsicher in die Zange genommen.  Jahr für Jahr legte ich Tausende von Kilometern mit dem Rad zurück, ließ mir den Schnittkäse in mitgebrachte Dosen packen und schaute verächtlich auf alle herab, die ihre Plastiktüten im Auto verstauten.

Lange Zeit erwies sich

meine Lebensphilosophie als tragfähig. Ich bereiste die Welt, verfasste Reiseberichte, hielt Diavorträge, schrieb Sachbücher rund um das Thema Fahrrad. Was ich anpackte klappte und schwierige Situationen nahm ich mit enormer Kraft und noch mehr Zuversicht in Angriff. Wobei letzteres wörtlich genommen werden darf.

Irgendwann aber

vollzog sich eine Wende. Erst unbemerkt, dann aber nicht mehr zu übersehen. Nach kraftvollen, von viel Erfolg und noch mehr Gelassenheit geprägten Jahren empfand ich die Welt plötzlich als angefüllt mit Ängsten, Gefahren und Unsicherheiten. Mein Wald der Ausrufezeichen hatte sich in ein Labyrinth voller Fragezeichen verwandelt.

War es mein Schutzengel,

der die Ampel auf Rot schaltete? Anfang April 2010 jedenfalls stand eines frühen Morgens der Notarzt vor meinem Bett. Ich verstand die Welt nicht mehr und auch nicht alles, was der besorgt dreinschauende Mann sagte. Ich hörte nur, unbeteiligt wie ein Tonaufzeichnungsgerät, seine Worte: „ Wir befinden uns am Rande der Erdscheibe“. Ausgerechnet ich, sportlich, vermeintlich gesund und gerade einmal 50 Jahre alt, hatte einen Herzinfarkt.

 

Danach verbrachte ich Jahre

in stiller, innerer Verzweiflung. Nur ab und an unterbrochen von kurzen Phasen der Hoffnung auf einen Neubeginn. Und tatsächlich: wieder vollzog sich, anfangs nahezu unmerklich, eine erneute Wende. Ich hatte begonnen Bücher zu spirituellen Themen zu lesen, ja, tatsächlich kann ich seitdem nichts anderes mehr lesen. Alles andere empfinde ich – oder besser gesagt eine Instanz in mir, die ich als unendlich weiser als ich es bin, erfahre – als Zeitverschwendung.

Immer klarer wurde mir gezeigt,

warum mein Leben so nicht hatte weitergehen sollen. Es gibt, davon bin ich heute tief überzeugt, einen göttlichen Plan für Welt und Menschheit. Der aber erschließt sich nur dem, in dessen Innerem das schreiende Wollen, Streben und Handeln im Banne der ICH-Persönlichkeit zum Schweigen kommt. Ich selbst habe das nicht zustande gebracht – vielleicht war es tatsächlich mein Schutzengel, der mir dabei auf die Sprünge geholfen hat.

Zutiefst bewegt und beeindruckt

von der Weisheit, die der Menschheit seit Urzeiten in den Heiligen Büchern zur Verfügung gestellt wird, begann ich die Welt, an der ich früher als Weltverbesserer nahezu verzweifelte, immer besser zu verstehen. Der göttliche Plan für Welt und Menschheit trat vor meinem inneren Auge immer klarer zutage. Und plötzlich wurde mir bewußt, daß das Großartigste, was einem Menschen widerfahren kann, der Quantensprung von keine Ahnung zu eine Ahnung ist.

Es entwickelte sich in mir

so eine Ahnung wozu wir hier sind, warum all das Leid in die Welt kommt, aber vor allem wo die Hoffnung samt dem Ausweg zu finden ist. Nun, genug der einleitenden Worte. Es soll hier nicht vordergründig um mein Leben gehen. Eher um das Leben an sich. Und ich entwickle hier definitiv keine neue, spekulative Philosophie. Ich möchte nur versuchen, die Erkenntnisse aus meinem bescheidenen Studium der universellen Weisheit so kompakt als möglich zusammen zu fassen. Denn es ist die Aufgabe eines jeden suchenden Lesers selbst, das Gelesene in seinem innersten Wesen abzuspüren und anhand seiner eigenen Beobachtungen im Alltag draussen zu prüfen.

Stefan Kälberer

 

“[…] ich spreche nicht als Gelehrter zu Ihnen, der Ihnen wissenschaftliche Resultate vorlegen will, sondern nur als Mitmensch, als Freund, der bereit ist, sich zu erklären und offenbar werden zu lassen, welche Erlebnisse auf der Pilgerfahrt seines Lebens entscheidende Bedeutung für ihn gehabt haben.”

Johannes Anker Larsen, Vom wirklichen Leben