Gedicht #01 “Wahrer Glaube”

Sachbücher sind eine Sache,

Gedichte eine andere. Sachbücher habe ich geschrieben, sie mir teilweise auch abgerungen. Aber Gedichte? Die haben mich nie so wirklich interessiert. Und selbst welche zu schreiben, daran habe ich nicht einmal im Traum gedacht. Und dann wache ich eines morgens auf, habe ein paar Reime wie aus einem vergessenen Traum im Kopf und spüre, das musst du aufschreiben.  Wenige Stunden später ist das erste Gedicht fertig. Die nächsten Tage kommen zwei weitere zu mir! Magisch? Ich finde schon! Seitdem ist mir keines mehr zugeflogen.

Hier also Gedicht #01:

wahrer glaube
ihr sagt mir glauben sei nicht wissen
dabei seid ihr es die komplett zerrissen
des lebens tiefen sinn unwissend missen
ich aber sag euch herzens glaube kommt vor kopfes schlüssen
wer des verstandes haus erbaut an unverstand´nen flüssen
dem wird die weltlich scheinerkenntnis von tosend flut entrissen
ihr sagt mir wahr sei nur was tastbar sichtbar hörbar
dabei wisst ihr noch nicht mal was ihr tastet sichtet hört
auf hauptes eiseskalte logik ihr überlegen lächelnd schwört
ich aber sag euch wahre weisheit wird durch herzens milde erst errungen
des hauptes zweifel haben allzu oft schon tiefes leid herbei gezwungen
wer dies nicht fasst ist in des lebens tiefe bislang noch nicht gedrungen
ihr sagt mir leben sei das recht aus stärke kampf und selbstbehauptung
ihr blickt verächtlich nur auf schwäche mitgefühl und menschliche verzweiflung
ihr glaubt des bruders helfend hand niemals zu brauchen sei die krönung
ich aber sag euch hochmut herrschsucht hass sind tiefsten absturzes beweise
des menschen ziel jedoch ist die befreiung aus diesem teuflisch rasend kreise
so macht auch ihr euch endlich auf und geht auf lang ersehnte reise
die führt ins alldurchdringend schattenlose licht
wer daran glaubt äonenalte ketten mit leichter hand zerbricht

 

Text & Photographie / Stefan Kälberer