Faszination Wasser

“Tun die Himmel sich auf und regnen, so träufelt das Wasser über Felsen und Gras, Mauern und Bäume zugleich. Kehret die Sonne zurück, so verdampfet vom Steine die Wohltat. Nur das Lebendige hält Gabe des Göttlichen fest.”

Johann Wolfgang von Goethe

 

Es besteht wohl

der tief begründete Anlass, uns dem Element Wasser mit der allergrößten Dankbarkeit zu nähern. Denn Wasser ist erstens unabdingbar für jedwede Art von Leben. Und zweitens bietet uns das Wasser die vielleicht markanteste Analogie zum Verständnis der Beziehung zwischen irdischer und geistiger Welt. Am Beispiel des Wassers lassen sich wunderbar die Prozesse betrachten, die zu einer Höherentwicklung allen Lebens führen.

So danken wir

der geistigen Welt von Herzen, dass sie es uns mittels dem für uns so scheinbar alltäglichen Element Wasser ermöglicht, einen Blick in die göttlichen Mysterien zu werfen. So begreifen wir, dass wir oft nur nüchterne Beobachter sein müssen, um tiefgründige Einblicke zu erlangen, um unseren Horizont zu erweitern. Und dass uns all diese Botschaften auch von göttlich inspirierten Lehrern, wie beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe einer war, immer wieder überbracht werden.

 

Am Beispiel Wasser

können wir erkennen, dass es Gesetze gibt, die waren, die sind und die für immer sein werden. Das Verhalten des Wassers veranschaulicht uns in großer Klarheit die Verwandlung von Geist in Materie und umgekehrt. Betrachten wir einfach einmal einen zugefrorenen See. Sein Wasser wird im Winter starr und entwickelt eine enorme Härte. Es tut dies aber nicht rücksichtslos, nicht “gedankenlos”! Denn würde es das tun, würde der See bis auf den Grund erstarren und damit alles darin befindliche Leben ausgelöscht werden. Wodurch nun wird dies verhindert?

Es wird verhindert

durch die Anomalie des Wassers, eine Eigenschaft, die kein anderes Element besitzt. So wird das Leben in Seen und Meeren geschützt, ja regelrecht behütet. Denn die Anomalie des Wassers bedeutet, dass es im Gegensatz zu allen anderen Elementen nicht bei Temperaturen unter dem Nullpunkt seine größte Dichte erreicht, sondern bereits bei plus vier Grad Celsius. Daher ist erstarrtes Wasser, sprich Eis, leichter als flüssiges Wasser. Daher schwimmt es immer oben und damit kann die Temperatur am Grunde eines Sees oder Meeres nicht unter plus vier Grad fallen. Man könnte sagen, das Mysterium Leben wird durch das Mysterium Wasser behütet.

 

Mit der zunehmenden

Wärme der intensiver werdenden Frühlingssonne schmilzt dann das Eis des Sees und erhöht sein Vibrationsniveau, wechselt den Aggregatzustand, wird also wieder zur Flüssigkeit. Auch solch ein Wechsel des Aggregatzustandes ist ein wunderbarer Beweis für die Möglichkeit einer Veränderung des Seinszustandes alles Geschaffenen. Und diese Veränderung, diese Erhöhung des Vibrationsniveaus ist nichts anderes als ein Synonym für die Entwicklung der starren, oft scheinbar toten Materie hin zu immer feinstofflicheren, immer lebendigeren, immer höher schwingenden Daseinsformen. Kurzum: Es ist der Weg der Materie ins Geistige.

Dann kommen

die Monate, in denen die Sonne in ihrem Zenit steht, in denen sommerliche Hitzeperioden das Wasser unseres Sees in sonnendurchflutete, himmelwärts strebende Wolken verwandeln, oder besser gesagt: transformieren. Denn wieder ist die scheinbar tote Materie auf ein höheres Vibrationsniveau gehoben worden. Und noch immer sind es Prozesse, die vom menschlichen, vom irdischen Auge mühelos wahrgenommen, die aufmerksam verfolgt werden können.

 

Und dabei ist es

vorstellbar, dass es nach oben möglicherweise keinerlei Grenzen gibt. Die für unser Auge sichtbaren Wolken lösen sich bei bleibender Sonneneinstrahlung zuerst in feine Wolkenschleier, dann in für uns unsichtbare Wasserstoffatome auf. Nur ein zehnmillionstel Millimeter groß, können diese von keinem menschlichen Auge mehr erfasst werden. Aber dennoch würde kein Mensch behaupten, dass sie deshalb nicht mehr existent seien.

Und das nun

ist wieder solch eine wunderbare Analogie, die so manchen Skeptiker bezüglich der Frage nach einem eventuellen Weiterleben nach dem Tod des grobstofflichen Körpers überzeugen kann, dass damit vielleicht doch nicht alles zu Ende ist. Und wir wissen auch nicht, ob sich vielleicht auch das eine oder andere Wasserstoffatom nach absolviertem Kreislauf immer weiter empor schwingt bis hinauf in das Reich nicht von dieser Welt. Zurück also ins Göttliche, um danach nicht mehr zur Erde zurück zu kehren.

 

Glaubt man den alten

Weisheitslehren, dann hätten wir auch hier am Beispiel des Wassers nochmals ein Lehrbeispiel zur Weiterentwicklung, zur Höherentwicklung allen Lebens. Denn der in höchste Höhen aufgestiegene Wasserdampf wird sich über kurz oder lang wieder verdichten, als Regen zur Erde fallen. Dann wird das Wasser erneut seine lange, oft Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte oder gar Jahrtausende dauernde Reise durch tiefste Gesteinsschichten, Flüsse, Gletscher, Seen und Meere antreten. Und so muss auch der irdische, nach seiner Seele noch nicht wahrhaft bewusst gewordene, noch nicht vollständig transformierte Mensch erneut inkarnieren und wie der fallende Regen wieder herunter auf die Erde. Er bleibt fürs erste gekettet an das Rad von Geburt und Tod, wie es die Buddhisten, wie auch die Rosenkreuzer ausdrücken.

Man darf

den alten Weisheitslehren Glauben schenken, denn es gibt die Möglichkeit der Erlösung vom scheinbar endlos sich drehenden Rad von Geburt und Tod. Der Mensch, der es versteht, seine irdische Ausrichtung, seine Anhaftung an diese Welt zu überwinden und seine Seele wieder mit dem göttlichen Geist zu vereinen, wird frei, muss nicht mehr zurück in den Kreislauf, zurück in die Erstarrung. Er tauscht dann das falsche Licht dieser Welt gegen das einer neuen Morgenröte. Und die wird dann zu einem befreienden Aufgang in das allzeit scheinende göttliche Licht. Und darum können wir sicher sein, dass sich auch das eine oder andere glückliche Wasserstoffatom vom ewigen Kreislauf verabschiedet. Denn für alle und alles gilt das hermetische Grundprinzip: Wie innen, so  außen, wie oben, so unten.

 

“Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn andere Wasser strömen nach. Auch die Seelen steigen gleichsam aus den Wassern empor.”

Heraklit

 

Anmerkung:

Alle Photos dieses Beitrags entstanden innerhalb weniger Minuten an einem banalen Springbrunnen. Mit einer sehr kurzen Verschlusszeit, zwischen 1/4.000 und 1/16.000 Sekunde, aufgenommen gegen einen anfangs eher grauen, dann blauen, von wenigen Wolken durchzogenen Himmel,  erscheint das Wasser wie lebendiger, für kürzeste Momente erstarrter Kristall.

Alle Aufnahmen können durch Anklicken in höherer Auflösung betrachtet werden.

Text & Photographie / Stefan Kälberer